Vaetergruppe_Kleinkind

Vaterschaft - Wenn Männer zu Vätern werden

Birgt die Schwangerschaft bereits viele Fragen und Herausforderungen in sich, so stellt die Erfahrung der Geburt alles bisher Erlebte neuerlich auf den Kopf.

  • Wie hat die Frau das Kind überhaupt hinauspressen können? Wie kann sie das bloß bewerstelligen?
  • Welche Schmerzen habe ich ihr da angetan und kann sie mir das je verzeihen?
  • Wie sollen wir jemals wieder Sex haben oder gar ein zweites Kind bekommen?

Manchmal prägen sich Bilder oder Phantasien in den Kopf des Mannes ein mit denen er nicht mehr zurecht zu kommen scheint. Sollte Mann sich vielleicht doch mehr Zeit nehmen, um alles bisherige auch auf mentaler Ebene zu bewältigen? Es besteht doch kein Problem, also braucht es auch keine Lösung und dennoch stellen sich viele Männer die Frage, wie es den anderen geht, denn schließlich ist Mann ja nicht der Erste und nicht der Letzte der zum Vater geworden ist.

Gruppe für Väter von Kleinkindern im Alter von 0 bis 4 Jahren

BUCHEN


Sobald das lang ersehnte Kind endlich das Licht der Welt erblickt und in den Armen gehalten werden kann, sind Schwangerschaft, Geburt und alle damit zusammenhängenden Überraschungen aber auch Herausforderungen freudvoll überstanden und vermeintlich vergessen. Endlich ist das Kind auch für den Vater greifbar, angreifbar. Doch die neue Situation bringt weitere Herausforderungen mit sich: Die frischgebackene Mutter scheint nun mit dem Kind zu einer Einheit verschmolzen zu sein, was ja auch in Ordnung ist oder können tatsächlich Eifersucht und Besitzansprüche zum Vorschein treten? So manch ein frischgebackener Vater ist nun mit Gefühlen konfrontiert, die sich so gar nicht in das Bild der glücklichen Familie einfügen wollen. Nicht nur Vaterfreuden oder die üblich berichteten Sorgen und Ängsten treten ein, sondern auch Eifersucht, Neid, Wut oder eine diffuse unerklärliche schlechte Laune machen sich bemerkbar, die sich gleichzeitig mit Schuldgefühlen vermischen können.
  • Was ist eigentlich meine Aufgabe als Vater?
  • Werde ich überhaupt noch gebraucht, oder bestand meine Aufgabe lediglich im Akt der Zeugung? Soll ich mich aus der Erziehung raushalten und mich traditionell um die Finanzen kümmern?
  • Bin ich den Aufgaben der Vaterkarenz gewachsen? Brauche ich das denn überhaupt?
  • Ich halte das Geschrei des Kindes nicht mehr aus. Hin und wieder hinterfrage ich die Entscheidung der Elternschaft, obwohl ich meine Frau und mein Kind liebe. Ist das normal? Darf das sein? Was soll ich mit solchen Gefühlen machen?
  • Ich habe eine reizende, fürsorgliche Mutter, die es nur gut meint, aber meine Frau hat ein massives Problem mit ihr. Ich befinde mich in der Zwickmühle, aber wie kann ich dieses Problem lösen?
  • Die Tatsache, dass meine Frau sich jetzt nur noch um das Kind kümmert macht mich wütend. Was kann ich gegen diese Wut tun? Ist es legitim gekränkt zu sein? Wie soll ich damit umgehen?
  • Sechs Wochen keinen Sex, wie soll ich das durchstehen? Werden wir überhaupt je wieder Sex haben und wird er so sein wie früher? Wie sollen wir je wieder intim werden, wenn meine Partnerin mit ihrer Brust unser Kind stillt, es mit ihren Händen streichelt und mit ihren Lippen küsst? Ist mein Wunsch nach oralem Verkehr pervers?
  • Schlafmangel, Forderungen der Frau sowie Bedürfnisse des Kindes, Beruf und Karriere – wie soll ich das alles schaffen?
  • Wir haben uns getrennt noch bevor wir von der Schwangerschaft erfahren haben, muss ich jetzt des Kindes wegen zu ihr zurück? Ich möchte am Leben meines Kindes vom ersten Tag an teilhaben, aber wie schaffe ich das wenn die Beziehung zur Mutter meines Kindes nicht funktioniert?
Die Umstellung von der gewohnten Zweierbeziehung mit all der Aufmerksamkeit, die ein Mann von seiner Frau bisher bekommen hat ist schwierig. Jetzt gibt es plötzlich einen neuen Mitbewohner der interessanter scheint und die volle Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Ein kleiner Babyboss. Zurückweisung und Ausschluss aus der Symbiose zwischen Mutter und Kind können tatsächlich Schmerzen verursachen, da wie bei physischen Schmerzen, die gleiche Hirnregion in Alarmbereitschaft gesetzt wird.
Frustration, Schlafmangel und sexuelle Unbefriedigtheit machen sich bemerkbar und stellen die Beziehung sowie die Karriere auf eine harte Probe. Viele Männer flüchten in solchen Situationen trotz Konzentrationsschwierigkeiten ins Büro und versuchen sich mit Arbeit abzulenken. Andere suchen Ablenkung bei Freunden, in einer Bar oder Zuflucht bei einer Freundin. Andere wiederum suchen Schutz bei den eigenen Eltern – in vertratuer Umgebung. Jeder Ort an dem Mann sich sicher und gebraucht fühlen ist willkommen. Andererseits besteht aber auch der Wunsch und der Anspruch, es besser zu machen als der eigene Vater und doch wird in dem einen oder anderen Verhalten eine erschreckende Ähnlichkeit erkennbar.
Herausforderungen denen die modernen Männer ausgesetzt sind, sind außerordentlich vielschichtig und finden in den wenigsten Fällen Beachtung. Es reicht heute nicht mehr aus, Erhalter einer Familie zu sein, denn die Erwartungen haben sich enorm erweitert. Ein Vater soll für das Baby da sein, die Frau entlasten und gleichzeitig erfolgreich im Berufsleben stehen. Er soll die Familie in ein soziales Netz einbetten und gesellschaftlich aktiv sein. Er soll aber gleichzeitig auch ein liebevoller Vater und einfühlsamer Ehemann sein. Diesem Anspruch zu genügen stellt eine außerordentliche Herausforderung für alle Männer dar, die sich auf ein gemeinsames Familienleben einzulassen versuchen. Leider wird ihren Fragen, Gedanken und Sorgen viel zu wenig Beachtung geschenkt und mit allzu schnellen Urteilen über gutes und schlechtes Verhalten entschieden.
Die Teilnahme an der Gruppe, die ausschließlich für Väter konzipiert ist, soll den Betroffenen ermöglichen neue Perspektive zu eröffnen. Fragen in Bezug auf sich selbst, die Frau, das Kind und die Familie können tabufrei gestellt und beantwortet werden, Gedanken und Gefühle geäußert und bearbeitet werden. Es soll ein Raum geschaffen werden, in dem radikale Offenheit herrscht ohne Tadel, Scham oder schlechtem Gewissen.
Inhaltsübersicht
  • Elternschaft
  • Veränderung des Alltags
  • Individuelle Wünsche und Phantasien
  • Bedürfnisse des Geschwisterkindes
  • Rollenverteilung
  • Einfühlung vs. Verzweiflung
  • Sexualität
  • Soziales Leben
  • Beziehung und Familie
  • Ansprüche der Gesellschaft